12. November 2018

Gestern vor 100 Jahren, am 11. November 1918, endete der Erste Weltkrieg. Über vier Jahre hatte der bis dahin schlimmste Krieg der Menschheitsgeschichte gedauert. Die erschreckende Bilanz: 9.5 Millionen Soldaten starben auf den Schlachtfeldern und in den Lazaretten, viele andere waren physisch oder psychisch so schwer vom Krieg gezeichnet, dass ein normales Leben für sie unmöglich war. Auch unter der zivilen Bevölkerung gab es viele Opfer zu beklagen, allein in Deutschland starben etwa 700 000 ZivilistInnen.
Weshalb sind diese Menschen gestorben? Als Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich 1914 in Sarajevo erschossen wurde, war das nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Jahrzehnte des Misstrauens und des Argwohns der europäischen Staaten gegeneinander, Jahrzehnte der Aufrüstung und der Angst voreinander ließen irgendwann nicht mehr die Frage zu, ob sich Europa in einen Krieg stürzen würde, sondern nur noch, wann.
Auch jetzt, 100 Jahre später, befinden wir uns in einer Zeit in der für viele Menschen nationale Interessen weitaus wichtiger sind als der europäische Gedanke. Das sieht man nicht nur am Brexit und an den Wahlerfolgen populistischer Parteien in den meisten europäischen Ländern in den letzten Jahren. Nicht nur in Deutschland fordern Menschen „Unser Volk zuerst“, nicht nur in Deutschland werden Teile der Gesellschaft ausgeschlossen. Und gerade mit Blick darauf, zu was eine solche Denkweise vor mehr als 100 Jahren geführt hat, müssen wir alles daran setzen, den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt in ganz Europa zu bewahren und zu stärken. Wir kennen die Fehler von damals, wir sollten daraus lernen.

12. November 2018